Der CBR Import in Wavelog - Warum und wie [Deutsch]

Häufig wird die Frage gestellt: „Was ist der CBR-Import in wavelog und warum brauche ich ihn?“ Dieser Blogbeitrag beleuchtet das Warum und das Wie dieser Funktion.

Gehen wir einen „Post-Contest“-Workflow in wavelog Schritt für Schritt durch, während wir dabei Teile des „Warum“-Teils der Frage besprechen. Dieser Blog verwendet den Prozess so, wie er in Version 2.2.2 implementiert ist.

Stellen wir uns einen Contest vor. Der Austausch besteht aus Seriennummer, DOK und 4-stelligem Locator. Für mich wäre das „59 001 B04 JN49“. Nehmen wir außerdem an, dass ich dies in N1MM+ geloggt und sowohl eine ADIF-Datei als auch die Cabrillo-Datei zum Hochladen beim Contest-Sponsor exportiert habe. Ich werde ab jetzt nur noch CBR als Abkürzung für Cabrillo verwenden.

Infoscreen nach ADIF import

Der Info-Screen weist darauf hin, dass deine Austauschdaten möglicherweise nicht korrekt importiert wurden. Und das können wir auch in der Logbuchansicht sehen – DOK und Locator scheinen zu fehlen:

Unvollständiger Austausch im Logbuch

Um das zu beheben, gehe erneut zu ADIF Import/Export, wechsle zum CBR-Import-Tab, fülle dort das Formular aus und importiere die CBR-Datei, die du aus N1MM+ erhalten hast. Auch wenn du mit unterschiedlichen Optionen beliebig oft importieren kannst, bis alles korrekt aussieht, lies dir die Optionen bitte sorgfältig durch!

CBR Import Dialog

Anschließend sehen wir den vollständigen Austausch in der Logbuchansicht:

Logbuch mit komplettem Austausch

Jetzt die große Frage...

Warum?

Warum brauchen wir das – und kann ich nicht einfach die CBR statt der ADIF importieren?

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir verstehen, welche Felder in unserer Logbuchsoftware wir für Contest-Logging verwenden. Jeder Logger, der sich an den ADIF-Standard zur Datenspeicherung hält (was eigentlich auf alle zutreffen sollte), sollte für unseren Beispiel-Contest die folgenden Felder verwenden:

Feldname Benutzung Beispieldaten
DOK der DOK des QSO-Partners D23
GRIDSQUARE der Locator des QSO-Partners JO30
SRX die empfangene Seriennummer 17
STX die gesendete Seriennummer 35
SRX_STRING der empfangene Austausch D23 JO30
STX_STRING der gesendete Austausch B04 JN49

Das Problem ist, dass Logger wie N1MM+ zwar die ersten vier Felder bereitstellen, aber nicht die letzten zwei. Die Begründung dafür ist, dass diese redundante Informationen wären, da die Angaben bereits separat in DOK und GRIDSQUARE enthalten sind. Allerdings informiert uns ADIF weder darüber, welche der bereitgestellten Felder Teil des Contestaustauschs sind, noch in welcher Reihenfolge.

Genau aus diesem Grund gibt es den CBR-Import – denn in diesem Format wird uns mitgeteilt, wie der Austausch aussah und in welcher Reihenfolge er vorliegt. Daher importieren wir die CBR-Datei, um diese Informationen zu erhalten und die Daten so zu vervollständigen, dass wavelog sie korrekt anzeigen kann.

Nun kommt die Frage, die nach diesem Verständnis oft gestellt wird:
„Warum überspringen wir den ADIF-Import nicht komplett und importieren nur die CBR?“

Die Antwort ist einfach: Das CBR-Format enthält nur die minimal notwendigen Daten, um einen Contest auszuwerten, und ist nicht vollständig.

Vergleichen wir das also mal!
Hier sind beide Verbindungen im ADIF-Format (oben links und oben rechts) sowie im CBR-Format (unten, beginnend mit „QSO:“).

Vergleich von ADIF- und CBR-Format – hervorgehoben sind die (nahezu) identischen Informationen, die Unterschiede werden weiter unten erläutert.

Dies sind Informationen, die im ADIF vorhanden, aber im CBR nicht (oder nicht vollständig) enthalten sind:

  • TIME: In CBR erhalten wir nur Stunden und Minuten, nicht jedoch Sekunden.
  • MODE: In CBR bekommen wir für Phone/SSB nur „PH“. Einige Logger liefern im ADIF sogar USB oder LSB (N1MM+ tut das nicht).
  • MODE: Die einzigen gültigen Modi in CBR sind PH, FM, CW, RY (für RTTY) und DG (für alle anderen digitalen Betriebsarten). Insbesondere bei DG hätten wir bei einem reinen CBR-Import keine Ahnung, welcher konkrete Modus verwendet wurde.
  • FREQ: Wir verlieren alle Informationen unterhalb ganzer kHz, sodass aus „21.21344“ nur noch „21.213“ wird.
  • FREQ: Auf Bändern ab 6 m aufwärts verlieren wir die Frequenz vollständig und erhalten nur noch generische Kennzeichnungen wie „50“ für 6 m oder „1.2G“ für 23-cm-QSOs – selbst dann, wenn wir sie ursprünglich bis auf den letzten Hertz korrekt geloggt haben.
  • OPERATOR: In CBR gibt es keinen Operator pro QSO, sondern nur eine Gesamtliste der Operatoren im CBR-Header.
  • Exchange: Zwar sehen wir im CBR den vollständigen Austausch mit all seinen Bestandteilen (was wir ja wollen), aber wir bekommen keine Information, was diese Inhalte bedeuten. Würden wir nur das CBR verwenden, wüssten wir zum Beispiel nicht, dass „D23“ ein DOK ist.

Außerdem gibt es Informationen, die nicht im ADIF, aber im CBR enthalten sind:

  • Gesendeter Austausch: Im ADIF haben wir nur die gesendete Seriennummer. Der gesendete Austausch aus DOK und Locator wird dort nicht erwähnt.

Genau deshalb brauchen wir einen Zwei-Schritte-Prozess:
Zuerst importieren wir das ADIF, um die Daten so fein granular wie möglich in unser Log zu bekommen. Danach verwenden wir das CBR, um Kontextinformationen darüber zu erhalten, wie der Austausch aufgebaut war und in welcher Reihenfolge, und füllen damit die fehlenden Informationen auf.

Nur gemeinsam (ADIF + CBR) erhalten wir das vollständige Gesamtbild dessen, was im Contest passiert ist.

Ich hoffe, das hat alle Fragen zu dieser Funktion geklärt, und ihr habt Spaß dabei, sie für eure Contest-Logs zu nutzen.

Übrigens: Wenn ihr den Contest direkt in wavelog loggt, müsst ihr nichts davon tun. Wavelog füllt alle Felder automatisch korrekt aus, ohne dass ihr etwas nachträglich korrigieren müsst!

73 de Stefan, DB4SCW